Usbekistan

20.06.2016 Uzbekistan

Überraschenderweise ließen uns die Kasachen ziemlich schnell ihre Grenze passieren. In Uzbekistan findet bis zum 25.06.2016 ein Samit statt (ähnlich dem G 8 bzw. G 7 Gipfel), alle Grenzen sind für Ausländer zu. Nur Uzbeken bilden lange Schlangen an den Schaltern. 5 Tage zwischen den Grenzen hängen?? Mittlerweile haben wir 45 Grad!! Als wir dann sagten, dass wir Europäer seien, durften wir auch ins Land. Unsere Staatsangehörigkeit bringt schon Vorteile mit sich.

6 Stunden ließen sich die Beamten Zeit, unsere Papiere und das Auto zu prüfen. Aber es waren bei weitem die nettesten Beamten, die wir bis jetzt erlebt haben. Überhaupt, schon jetzt nach ein paar Tagen können wir das über das ganze Volk sagen. Wir sehen anders aus als die Uzbeken, die Beamten winken uns, damit wir ohne uns anzustellen die verschiedenen Kontollpunkte duchlaufen können. Und was kommt aus der Menge? Kein unzufriedens Gemurmel, sondern breites Lächeln . Als wir Kopien von unseren Papieren machen mussten, hatten wir noch kein uzbekisches Geld (Som), da hielten uns auf einmal ein paar Leute ihr Geld entgegen. Die Leute sind so nett, es ist überwältigend.

Wir sind im Land.

Als erstes Geld wechseln und Auto versichern. Im Internet stand ein offizieller Kurs von 1 $ = 2.980 Som. Kein Mensch wechselt zu dem Kurs. Das Geld wird 1$ = 6000 Som gewechselt. Was für eine nette Überaschung! Wir wechselten 200$ und wurden zum ersten Mal in unserem Leben Millionäre. Schon ein tolles Gefühl. Als wir in einem Straßencafé aßen und 40.000 Som dafür zahlten und für 2 Bier 10.000 Som, schwand unsere Freude etwas. Aber wir können trozdem nicht klagen.

P1030752Wenn wir unserere Reisekasse auf einmal wechseln, reicht der Safe nicht aus.

Vor uns lagen 600 km Wüste bis zur Stadt Chiwa. Die Straßen sind nicht viel besser als in Kasachstan. Dafür brauchten wir 2 Tagen. Es regnete ein wenig, die Hitze aus der Luft verschwand, ein Regenbogen erschien am Himmel. Ein toller Anfang der Uzbekreise.

P1030738Ein Reisemobil für Kinderreiche Familie?

Jeder Ausländer muss sich in Uzbekistan registrieren lassen. Und nicht nur einmal beim Grenzübergang, sondern auch beim Verlassen des Landes muss eine lückenlose, nachvollziehbare Historie des Aufenhalts vorgelegt werden. Sobald wir in die Stadt fuhren, suchten wir uns ein Hotel, wo man sich registrieren konnte. Das Hotel heißt “Hajat Inn”, der Besitzer ist so nett. Er nannte uns den Preis für die Registrierung, wir waren einverstanden. Dann sagte er: “Für 35 Dollar mehr könnt ihr auch hier wohnen.” Durch den Samit habe er sowieso keine Gäste im Moment. Da haben wir natürlich zugeschlagen. Und so wohnen wir jetzt  in klimatisierten Räumen, mit Frühstück, Mitten in der historische Stadt, als einzige Gäste in ganzem Hotel.

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Es sind so viele Dollar auf der ganzen Welt, dass ich mich echt frage: Haben die Amerikaner selbst genug Papiergeld um zu leben, oder zahlen sie nur mit Plastikgeld? Muss ich mal bei Gelegenheit einen bekannten Amerikaner befragen.

22.06-25.06.2016 Chiva

Der Hauptfluss des Landes, Amudarya, hat im Laufe des letzten Jahrhunderts oft seinen Lauf geändert, sodass die Städte entweder unter Wasser standen oder von der Wüste in Besitz genommen wurden. Hier kann man nicht glauben, das dieser mächtige Fluss in 200 km versickert.

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Aus diesem Grund konnte Chiva sich nicht zu einer Metropole entwickeln. Es ist eine relativ kleine Stadt mit 60.000 Einwohnern. Ca. 20% leben immer noch innerhalb der historische Stadtmauer.

Oben nah an Gott, unten tägliches Leben.

P1030782Ein Waschtag.

Innerhalb von zwei Tagen orientierte Viktor sich in der Altstadt so, als ob er hier ein Jahr verbracht hätte. Wir kletterten auf das höchsten Minarett, mit ziemlich steilen, hohen, schmalen Treppen. Ich musste die Hände zu Hilfe nehmen. Früher kletterte der Imam fünf mal am Tag rauf, um von oben zum Gebet zu rufen. Das war eine Leistung!!!

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Aussicht aus dem Minarett

10 km außerhalb der Stadt besichtigten wir die Sommerresidenz eines Khans. Das Gebäude ist ca 150 Jahre alt. Es wurde nur aus Lehm gebaut, die Fenster und Terrassen sind so geschickt geplant, dass immer eine leichte Brise in den Räumen herrscht. Es gibt keine Spuren einer Restaurierung, und doch wirkt der Wohnturm sehr stabil. Ich bin gespannt, wie das Haus in der Scharnhorststr. in 150 Jahren aussieht.

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Von Anfang an hatten wir keine Probleme in irgendwelchen Lokals, Cafés oder auf dem Markt zu essen. Es gibt viele Sachen, die wir nicht kennen. Da wollte ich nach einem Rezept fragen, aber Viktor sagte, ich solle es sein lassen, da wir in Deutschland höchstwahrscheinlich keine Zutaten dafür bekommen.

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Und dann hat es uns erwischt. 24 Stunden wanderten wir zwischen Bett und Klo hin und her. Nicht mal Medikamente wollten drinnen bleiben. Vor der Reise hatten wir vor, jeweils 5 kg abzunehmen. Ich glaube wir sind diesem Ziel ziemlich nah gekommen.

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Am nächsten Tag machten wir uns trotz allem auf dem Weg nach Buchara.

Unser netter Hotelbesitzer rief eine seiner Geschäftspartnerinnen dort an und handelte für uns die gleichen Konditionen wie bei ihm aus.

26.06.-30.06.2016 Buchara

Das Herz der Stadt ist ein im 17.  Jahrhundert angelegtes Wasserbecken. Vorbeiziehende Karawane machten hier halt. Um das Wasserbecken herum wurden Übernachtungsmöglichkeiten für Reisende angelegt, heute stehen dort Hotels. Um die ganze Anlage herum wurde eine Schutzmauer aus Lehm hochgezogen, um mögliche Angriffe von Nomadenvölkern abzuwähren. Sieht sehr spektakulär aus. Wir wohnen in der Fußgängerzone, direkt am Wasserbecken und sind schon wieder die einzigen Gäste im Hotel. Auf dem Platz steht eine Statue von Hodscha Naserddin. Das war ein weiser Narr, so wie Till Eullenspiegel, nur für den asiatischen Raum. Als Kinder haben wir mit Begeisterung Geschichten über ihn gelesen.

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Juli ist nicht der perfekte Monat um Uzbekistan zu bereisen. Es ist einfach zu heiß. So viele Regenschirme habe ich nur in Deutschland gesehen. Mit dem Unterschied, dass wir sie gegen den Regen, die Uzbeken aber gegen die Sonne einsetzen. Wir sind schon brauner als die Einheimischen.

Egal wo wir hingehen, wir werden zuerst gefragt woher wir kommen, und erst dann wird der Preis genannt. Alle Geschäfte sind in privater Hand, es gibt keine Menüs in Lokalen, keine Kassenbons, nicht mal die Preise sind ausgewiesen. Uns als Ausländer auszumachen ist keine Kunst. Der Eintritt in Museen kostet für uns um das 10 fache mehr, als für uzbekische Bürger (unsere Staatsangehörigkeit erweist sich doch nicht immer als Vorteil). Es ist immer noch in Ordnung für uns, aber man kommt sich doch veräppelt vor.

Hier ist überhaupt alles anders. Wir hinterließen ein Trinkgeld nach dem Essen und der Besitzer lief uns hinterher um es zurück zu geben. Er dachte, wir hätten uns vertan.
Ein Kilo Fleisch kostet mehr, als die monatliche Wasser- und Stromrechnung. Kinder arbeiten mit den Eltern, sobald sie laufen können. Man könnte meinen sie seien arm, aber nein, sie bauen Häuser mit mindestens 12m x 15m Grundfläche, mit riesigen Grundstücken auf denen alles wächst und sogar das Vieh noch Platz findet.
Sie haben keine Müllabfuhr und trotzdem sind die Straßen sauber. Verdrehte Welt. Für uns ist es ein Problem unseren Müll zu entsorgen. Wie schnell eine Mülltüte voll ist, war mir bis jetzt nicht bewusst. Vor allem die Plastikflaschen sammeln sich so schnell!!! Bei Temperaturen von 50 Grad trinken wir sooo viel Wasser!!! Das ist die Flaschenansammlung von nur einem Tag. Nach ein Paar Tagen haben wir erfahren, das es Stellen gibt, wo die Flaschen nach Gewicht abgegeben werden. Jetzt lassen wir sie mit ruhigem Gewissen an gut sichtbaren Stellen stehen. Im Nu sind sie weg.

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Die Leute hier sind extrem fleißig. Das Land an sich ist sehr trocken. Sobald es aber eine Siedlung gibt, ist sie von weitem durch die Bäume kaum zu sehen. Jedes Haus hat einen Garten, der voll mit Obst und Gemüse bepflanzt ist. Die Märkte platzen von den Erzeugnissen. Was wir nicht verstehen: wenn alle alles haben, wer kauft dann das alles?

Am nächsten Tag schauten wir uns den Sommerpalast des Emirs von Buchara an. Der Komplex besteht aus mehreren Gebäuden: Empfangshaus, Schlafgemächer, Haremshaus und Haus der Olga. Das letzte Haus baute er für die Tochter des Russischen Zars Nikolaj II in der Hoffnung, sie in sein Harem einzugliedern. Dazu kam es nicht.

An das Haremshaus ist ein Wasserbecken angebaut. Unwillkürlich entstehen Bilder im Kopf: Auf dem Gelände sind Tapchans, Liegen für mehrere Personen mit bunten Kissen darauf verteilt, niedrige Tische brechen fast unter der Last von Obst und Süßigkeiten, leise Musik ertönt aus einer Ecke, Konkubinen plantschen im Wasser. Auf einer erhobenen Plattform sitzt der Emir und trifft seine Wahl für die Nacht. Und dann kommen die Russen/Bolschewiken und befreien alle. Jetzt stehen mehrere, eventuell alleinerziehende Frauen, ohne Bildung und Job da und müssen für ihren Unterhalt selbst aufkommen. Ob das wirklich allen gefallen hat..?

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Am letzten Abend in Buchara waren wir in einem Folklore Konzert.

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Langsam haben wir das Gefühl, dass uns jeder in Buchara kennt. Man hat überhaupt nie das Gefühl, anonym zu sein. Nicht mal in einem gottverlassenem Kischlak/Dorf ist man unter sich. Egal wo wir halt machen kommt Polizei um uns zu befragen; woher wir kommen, wohin wir gehen, was wir vorhaben. Wir bleiben mitten im Nirgendwo stehen, werden von einem Hirten gesichtet (es ist schon ein komisches Bild – ein Hirte auf einem Esel mit einem Handy), der ruft die entsprechenden Behörden an und schon sind wir im Visier. Man erzählte uns von Mahalla. Das ist eine Sonderform einer lokalen Verwaltung. Jeder Uzbeke gehört einer Mahalla an. Es gibt einen Vorsitzenden, der hat ca. 60 Leute zu betreuen, die aus seiner unmittelbaren Nachbarschaft kommen. Der Vorsitzende ist bestens über die sozialen und finanziellen Angelegenheiten seiner Leute informiert. Es ist die Pflicht eines jeden Uzbeken, seinen Vorsitzenden über außerordentliche Vorkommnisse in Kenntnis zu setzen. Und das auf freiwilliger Basis! Da auf 44.400 km² ca 33 Millionen Menschen leben, hat Mahalla überall Augen. Die Stasi hätte viel von Mahalla lernen können.

Nach ein paar heißen Tagen in der Stadt gönnten wir uns zwei Tage an einem See. Natürlich kam da einer der uns befragte, aber schließlich meinte er, er würde es weiterleiten, sodass das wir unbeschwert unseren Aufenthalt genießen könnten. Und tatsächlich kam sonst niemand mehr.

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Der See wird gerne von Uzbeken für Tagesausflüge genutzt. Es kommen zwei kleine Autos und 18 Leute steigen aus. Da bleibt man nicht lange allein. Sie sind sehr freundlich, aber auch sehr neugierig. So fanden wir Anschluss an eine große Familie. Als sie schon nach Hause fahren wollten, kam das Familienoberhaupt auf die Idee, uns zu sich zum Übernachten einzuladen. Man hat auch kaum die Möglichkeit, nein zu sagen. Schließlich dachten wir, wo sonst werden wir die Einheimischen so hautnah erleben, und willigten ein. Bei der Einfahrt ins Kischlak/Dorf war es schon dunkel. Uns wurden die Ehrenplätze auf einem Tapchan zugewiesen. Das Essen wurde in der Mitte serviert. Fast alles ist aus dem eigenem Garten. Nachdem wir mit dem Essen fertig waren, wurde aufgeräumt und wir sollten direkt auf dem Tapchan schlafen. Ich hatte schon Schwierigkeiten auf der harten Oberfläche zu sitzen (ein bisschen Polster half nicht wirklich), aber darauf zu schlafen?? Da waren wir bestimmend genug und schliefen im Auto.

P1030992    P1030996 Da wird gerade Frühstück für uns vorbereitet      P1030997 Backoffen                    IMAG1000

                                                                                                   

Am nächsten morgen nach dem Frühstück und nachdem das halbe Dorf bei uns im Auto war, sind wir weiter gefahren. Irgendwie verstehen die Leute nicht, dass es unser Heim ist, man kann da nicht einfach rein und alles begutachten!

Kurz bevor wir mit dem Frühstück fertig waren, stach mich ein Insekt unter dem Auge. Es hat sehr gebrannt.

Die nächste Stadt, die wir besichtigen ist Shahrisabz. Nach dem Sowjetverfall brauchte man neue Helden, um das Nationalbewusstsein zu stärken. So hat man Amir Timur, eigentlich ein Mongole, der mit einer Nachfahrerin vom Dschingis Khan verheiratet war, zum Uzbeken und Ur-Patriot erklärt. Er unternahm Feldzüge bis nach Syrien, eroberte den wesentlichen Kern  des heutigen Uzbekistans. Es gibt keine Stadt in Uzbekistan, die nicht eine Statue von ihm hat. Shahrisabz ist sein Geburtsort. Da ist ihm zu Ehren eine Riesenanlage angelegt.

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In der Mitte der Anlage befindet sich die Statue des Amir Timurs, auch Timurlan genannt, grüne Wiesen werden mit Sprenkelwasser befeuchtet, in symmetrischer Anordnung stehen schmuckvolle Häuser mit viel Liebe zum Detail, oben sind Gästezimmer, unten Souvenirläden. Alles sehr steril und ordentlich. Wer sich für die neuen Städte in Uzbekistan interessiert, ist hier am richtigen Ort, aber mit historischen Bauten hat es wenig zu tun.

Wir übernachteten in der Stadt an einem Kanal. Bei den Temperaturen war fast die ganze Stadt im Kanal am baden. Und, wie schon oft beobachtet, sind Männer und Frauen getrennt.

Nachdem Uzbekistan in die Sowjetunion eingegliedert war, wurden Frauen weitestgehend emanzipiert. Sie haben seitdem die gleichen Rechte wie Männer bei der Ausbildung und Berufswahl, Stimmrecht und  sie dürfen sich auch scheiden lassen. Trotz alledem werden bei jeder Zusammenkunft Männer- und Frauengruppen gebildet. So war es am See, als wir die Großfamilie kennengelernt haben, so ist es in Lokalen, in denen wir essen; meistens bin ich die einzige Frau da.

Und so konnte ich keine Erfrischung im Kanal genießen. Frauen baden in Klamotten 300 m entfernt von der Stelle, wo Männer baden. Die Kanalwände sind steif und rau. Beim Aussteigen hätte ich bestimmt Viktors Hilfe gebraucht. Ich konnte nicht mit Viktor bei den Männern baden, konnte aber auch nicht bei den Frauen sein, denn hätte Viktor sich der Frauengruppe genähert, um mir zu helfen, gäbe es eventuell Schwierigkeiten, sowohl mit Frauen als auch mit Männern. Aus Liebe zu mir ist Viktor auch nicht baden gegangen. 🙂

Nach dem Insektenstich wird mein Auge immer kleiner und die Gesichtshälfte immer dicker.

Und jetzt dürft ihr raten was um ca 23:00 Uhr passierte? Richtig!!! Es kam die Polizei…

Am nächsten Morgen konnte ich mein Auge nicht mehr aufmachen. Taubheitsgefühl verbreitete sich von einer Stirnseite bis zu den Mandeln. Eine Backe ist so angeschwollen, als würde sie beim kleinsten Druck platzen. Ich habe ein Foto, aber Viktor erlaubt mir nicht, es zu veröffentlichen, so schlimm sieht es aus. Ich begreife es nicht, ein kaum sichtbares Insekt hat so viel Gift. Was für eine Beute erlegt es damit? Ich hatte immer noch das Gefühl, dass die Backe dicker wird. Somit beschlossen wir ins Krankenhaus zu fahren. Da wir in Museen das 10-fache an Eintrittsgelder zahlen, dachte ich, sie werden für die Behandlung wahrscheinlich den Wert unseres Autos verlangen. Mit unserer guten ADAC Auslandsversicherung riskierten wir es.

In der Notaufnahme kam ich ziemlich schnell dran, der Arzt hat ein Medikament aufgeschrieben, Viktor musste zur Apotheke um es zu holen und die Krankenschwester machte dann eine Spritze. Zwar hatte sie keine Handschuhe an und hat das Teil, womit man die Ampulle aufmacht auf den Boden fallen lassen, aber ich war sehr dankbar, dass die mich zuerst behandelt haben, bevor wir über die Bezahlung sprachen. Dann hat sie meine Personalien aufgeschrieben und somit hat sich alles erledigt. Keine Rechnung, keine Barzahlung. Notaufnahmen sind in Uzbekistan umsonst!!! Und ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie Katharina sich in der Lucas-Schule verletzt hatte, und vom Arzt nicht behandelt wurde, weil sie keine Versicherungskarte mit hatte. Sie wurde nach Hause geschickt, obwohl es allgemein bekannt ist, dass es kaum Leute in Deutschland gibt, die nicht versichert sind. Da kann das reiche, weit entwickelte Deutschland etwas von Uzbekistan lernen.

Mit dem Auge wurde es nicht besser. So konnte ich mich nirgends zeigen. Wir entschieden uns, zwei Tage im Freiem zu verbringen. Einen See zu finden ist nicht so einfach. Uzbekistan ist ein doppeltes Binnenland, den Aralsee gibt es nicht mehr und einen großen Fluss haben sie kaputt gemacht. Ein Paar Gewässer die unser Navi als Seen erkannt hat, erwiesen sich als Trinkwasser Reservoirs, die abgezäunt und bewacht waren. Endlich gelang es uns aber.

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Ein kleiner, zwischen den Hügeln versteckter See. Die Nacht ist nur durch Sterne und Mond erleuchtet. Die Milchstraße ist sehr deutlich zu sehen. Ein Chor verschiedenster Insekten ist lauter als jede Autobahn, und doch empfindet man es nicht als störend. Am nächsten Morgen weckte uns eine Herde aus Kühen, Schafen und Ziegen auf. 700 Tiere sollten es sein. Die haben auch eine eigene Lautstärke. Am Tag darauf kam die Herde nicht mehr. Dafür kamen viele Leute, auch viele junge Leute, und sammelten die Kuhfladen, die die Herde hinterlassen hatte. Das ist wirklich toll, die Wiese wird wieder sauber, das Gras kann sich regenerieren, die Menschen bekommen ihren Brennstoff.

Mit dem Auge wurde es ein wenig besser, sich noch länger zu verstecken brachte nichts. Wir fuhren nach Samarkand.

Für Samarkand hatten wir keine Hotelempfehlung mehr. In einer 350.000 Einwohner Stadt einen zentralen Parkplatz für unser Auto zu finden, ist nicht so einfach. Als erstes fanden wir eine nicht funktionierende Tankstelle. Da wir schon gut über die Mahalla informiert waren, sind wir in die kleinen umliegenden Geschäfte reingegangen und haben allen Bescheid gesagt, dass wir nur für 2-3 Stunden unser Auto da abstellen und es abholen, sobald wir ein Hotel finden. Offensive ist ja bekanntlich besser als Defensive. Nur ein paar Kreuzungen weiter stießen wir auf ein Hotel, das offensichtlich nicht in Betrieb war. Zwischen den Treppen wuchs Unkraut, die Fontäne vor dem Haupteingang war bestimmt lange nicht mehr im Einsatz. Was aber wichtig war, es gab einen riesigen Parkplatz für Busse und unzählige PKWs. Genau das richtige für uns.

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Wir klopften an der Haupteingangstür und es kam ein Wachtmann heraus. Er erzählte uns, das Hotel sei das größte in Samarkand, habe 900 Zimmer und befände sich im Moment, seit einem Jahr schon, in einer Renovierungsphase. Der Besitzer sei knapp bei Kasse, und so seien die  Renovierungsarbeiten auf Eis gelegt. Natürlich dürften wir parken, so lange wir wollten. Im Innenhof gab es ein Schwimmbecken das wir nutzen durften, und im Erdgeschoss eine geräumige Halle, wo abends ein Beamer aufgestellt wurde um die Fußball EU-Meisterschaft anzuschauen. Bier und Snacks wurden angeboten. Und das alles direkt im Zentrum. 0,5 km vom Herzen Samarkands „Registan“ entfernt.

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Somit waren wir schon wieder die einzigen Gäste. Zwar nicht im Hotel, aber am Hotel. Mit so viel Glück hatten wir nicht gerechnet.

Mit der Registrierung hatten wir dann ein Problem. Kein Hotel wollte uns registrieren, ohne dass wir ein Zimmer nahmen. Das wollten wir aber nicht. Wir fanden dann eine Möglichkeit, die ich hier nicht beschreiben möchte.

Samarkand. Für mich ist es eine Stadt aus 1000 und 1 Nacht. Nur hier gibt es die unverwechselbaren türkis-blauen Kuppeln, in denen der Himmel sich wiederspiegelt. Viktors Faszinierung gilt der Tatsache, dass Alexander der Große die antike Stadt Marakanda, die an Stelle des heutigen Samarkands existierte, erobert hatte. Samarkand war die Hauptstadt des Timurreiches. Aus den von ihm eroberten Ländern nahm Timurlan Gelehrte, Architekten, Künstler und Handwerker in Gefangenschaft und verschleppte sie in seine Hauptstadt. Demzufolge entstand eine Stadt, die es nicht noch mal gibt. Die Seidenstraße ist nicht wirklich eine Straße, sondern ein Straßennetz. Timur machte die nördlich und südlich von Samarkand liegenden Wege unsicher, somit zwang er vorbeiziehende Karawane, in seiner Hauptstadt zu rasten. Die Stadt erblühte, sie profitierte nicht nur von der Gunst des Herren, sondern auch von Transitgeldern. Nach dem Tod Timurs wurde, wie oft schon in der Geschichte, sein Reich unter in Konkurrenz zu einander stehenden Nachkömmlingen aufgeteilt. Samarkand verlor an Bedeutung und war ab ca. 1700 fast unbewohnt. Erst als im 19. Jahrhundert die russischen Zarentruppen Samarkand eingenommen haben, wurde auch das Interesse für den Orient im Westen geweckt.

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Wir wohnen so zentral, dass die wichtigsten Sehenswürdigkeiten problemlos zu Fuß zu erreichen sind. Wir können keine 300m laufen, da werden wir schon angehupt. Jeder zweite PKW-Fahrer jobbt als Taxifahrer. Da Uzbekistan sehr große Gasvorkommnisse besitzt,  sind ca 80% der Autos auf Gas umgerüstet. Daher ist eine Taxifahrt unwesentlich teurer, als eine Busfahrt. Was noch sehr auffallend ist: ca 90% der Autos sind weiße Chevrolets. Die Amerikaner bauten ein Chevroletwerk in Uzbekistan, und weiß sind sie, weil die Farbe günstiger ist und bei den Temperaturen die vernünftigste. Für uns trotzdem ein seltsames Bild.

Der Bazar in Samarkand ist auch nicht mehr das, was wir als Bazar kennen. Es wurde eine große, überdachte Halle mit festmontierten Tischen gebaut. Das Angebot an Obst und Gemüse ist nach wir vor überwältigend. Von den Düften, die in der Halle herrschen, wird man benommen.

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Bevor wir unsere letzte Stadt, Taschkent, die Hauptstadt von Uzbekistan anschauten, mussten wir in der Natur Kräfte sammeln. In einem guten Reiseführer lasen wir, dass es ein Taschkentmeer gibt. In Wirklichkeit ist es ein Stausee. Er liegt ca 120 km von der Stadt entfernt. Die uzbekische Elite entflieht gern dem täglichem Trubel und verbringt das Wochenende in den Bergen am See, wo es nicht so heiß ist. An den See heran zu kommen ist ein Problem. Entweder gibt es keine Zufahrt, oder die sind mit Hotels und Ferienhäuser zugebaut. Als wir fast am Verzweifeln waren, stießen wir auf eine alte sowjetische Ferienanlage. Nach wie vor gehörte sie einer Fabrik, also praktisch keinem. Es gab einen tüchtigen, von der Fabrik beschäftigten Direktor, der uns für kleines Geld einen Parkplatz vor dem Tor, was eigentlich nicht zu der Anlage gehörte, vermietet hat.

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Aber bevor wir gar nichts finden würden, oder uns noch mit Mahalla auseinander setzen müssten, haben wir zugeschlagen. Wir durften auch hinter dem Tor spazieren gehen und ein großes Schwimmbecken nutzen. Wir sind in unsere Kindheit getaucht!!! Die Anlage wurde nicht privatisiert, daher auch nicht modernisiert. Es gab immer noch die alte Schaukel, Rutschen und Figuren aus alten Zeiten. Direkt am ersten Tag bot uns eine Urlauberin an, uns zur Seilbahn mitzunehmen. Sie meinte, wir werden Taschkent nicht voll erleben, wenn wir nicht in den Bergen waren. So sind die Uzbeken, sie wollen, dass man deren Land richtig kennen- und lieben lernt.

Es sind immer noch um die 40 Grad. Die lassen sich aber gut an einem Wasserpool ertragen. Wie schön es auch war, nach vier Tagen mussten wir weiter fahren.

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