Mongolei

13.07.2012
Freitag der dreizehnte. Da ich sowieso mit der Zahl 13 ein Problem habe, wollte ich nicht am 13. die Grenze überqueren. Nun ja, jetzt hatten wir keine Wahl. Die russischen Beamten haben uns innerhalb von 15 Minuten abgefertigt. 5 Minuten waren wir dran und 10 Minuten das Auto. Unsere „Tartaruga“ wurde an einer Röntgenstation (deutscher Herkunft – Mercedes und Siemens) untersucht. Dafür haben die Mongolischen Beamten in jede Ritze des Autos reingeschaut. Wir glauben, dass die ganze Belegschaft dies gemacht hat. Die haben nach nichts gesucht, sondern waren einfach neugierig. Wir mussten über eine Pfütze fahren (die nennen es Desinfektion), dafür musste man bezahlen, dann mussten wir unser Auto versichern, Steuer für die Straßen zahlen. Und was noch lustiger ist, die haben Mautgebühren. Die einzige Straße, die es in der Mongolei gibt es, ist kaputt, schmal und einfach schlecht. Dafür die Mautgebühren. Die Beträge sind für uns sehr klein (1- 2 Euro), aber der Fakt an sich ist einfach lachhaft.
Was noch auffällt: als wir noch in Russland waren, fuhren wir durch Sibirien/Tajga. Seit wir die Grenze überschritten haben, gibt es nur kleine Berge und Wiesen. Man sieht nichts von der Tajga. Der Ausblick ist sehr schön. Man sieht die Jurten und das Vieh, alles so idyllisch und ruhig. Ich kann es schlecht beschreiben, aber hier habt Ihr ein Paar Fotos. Macht Euch selbst einen Eindruck.
14.07.2012
Noch an der Grenze Russland/Mongolei haben wir einen Mann kennengelernt, der seit 25 Jahren in Ulaan-Baator lebt und arbeitet, ursprünglich kommt er aus Kasachstan. Er war wirklich froh, Landsleute zu treffen. Hat uns seine Handynummer hinterlassen und wir mussten versprechen, ihn anzurufen. Das haben wir dann heute gemacht. Er kam mit seinem Auto, hat uns Ulaan-Baator gezeigt, und anschließend zum Essen eingeladen.
das ist auch Ulaan-Baator

Wir wollten noch beschreiben, wie die Autofahrer in Ulaan-Baator fahren. Eine Katastrophe!! Sie fahren schon los, obwohl es noch rot ist, und sie fahren immer noch, obwohl es schon rot ist. An jeder Kreuzung ist außer der Ampel noch ein Polizist, der den Verkehr regelt, und trotzdem fährt jeder wie er lustig ist. Viktor hat sich erst mal aufgeregt, dann hat er die mittlere Spur besetzt und meinte, wir sind groß, sollen die zusehen wie sie uns umfahren.

15.07.2012
Als erstens haben wir uns 70 km süd-östlich von Ulaan-Baator ein riesiges Chingis-Khan Monument angeschaut. Die Statue ist ein Koloss aus Edelstahl, den man dank seiner glänzenden Oberfläche schon von Weitem sieht.
Danach sind wir weitere 80 km gefahren, davon 20 km Piste, zu einem Ort, wo Jurten, bzw. deren Unterbauten, aus dem 13. Jahrhundert stehen. Dort durften wir Rüstungen und Kleidung anprobieren und auf Pferden reiten. Also, Viktor ist geritten und ich wurde wie ein Kind auf einem Pony geführt. Hat trotzdem Spaß gemacht. Da haben wir übernachtet, ganz weit von der Stadt, in absoluter Stille. So viele Sterne haben wir noch nie gesehen.
16.07.12
Früh morgens, gut erholt, sind wir zurück nach Ulaan-Baator gefahren. Am Rande der Stadt haben wir Halt in einem Gasthaus namens „Oasis“ gemacht, von dem wir schon in Deutschland gelesen hatten, dass es ein Globetrotter Treffpunkt sei. Dort haben wir ein Pärchen aus der Schweiz getroffen, das wir schon auf dem Weg zum Chingis-Khan Monument kennengelernt haben. Die Schweizer sind seit 5 Jahren unterwegs. Sie haben über ihre Reisen erzählt und uns viele gute Tipps gegeben. Wir haben E-Mail Adressen ausgetauscht und wollen auch in Zukunft in Kontakt bleiben. In Ulaan-Baator warteten sie auf Ihre China-Visa. Als wir sagten, dass wir unsere China-Visa schon haben, waren sie sehr überrascht. Sie fragten uns, ob wir denn alle Auflagen erfüllen um China zu bereisen, nämlich:
Genaue Berechnung der Reiseroute, die von den Chinesen überprüft wird; man bekommt einen Begleiter gestellt, der von uns einen Lohn von 150 € am Tag bekommt; chinesischer Führerschein; außerdem darf man nur im Hotels übernachten. Da waren wir überrascht!! Daraufhin sind wir zur chinesischen Botschaft gefahren, wo wir alles bestätigt bekommen haben.
Unser neuer Bekannte bot uns an, das Auto sicher zu stellen und uns die Flugtickets nach Peking zu besorgen. Das wäre was!! Aber so oder so, unsere Reisekasse war nicht für solche Ausflüge ausgelegt. Also beschossen wir, dieses mal China leider nicht zu bereisen. Wir sind untröstlich.
Wir überlegten, die Mongolei Richtung Westen zu überqueren und dann die Grenze nach Russland zu passieren. Viktor wollte in mongolischen Seen angeln. Er sagte, da die Mongolen keinen Fisch essen, müssten die Fische ohne Köder auf den Haken springen. Also sind wir zu einem See aufgebrochen.
Von Ulaan-Baator bis zur russischen Grenze im Westen sind es ca 1600 km. Der neue Bekannte versprach uns, uns aus jeder Ecke der Mongolei rauszuholen. Wir hoffen sehr, dass wir seine Hilfe nie gebrauchen werden, aber es ist schon ein beruhigendes Gefühl, jemanden im Land zu kennen. Allerdings hätten wir ein Problem die Ecke zu beschreiben. Als Orientierung haben wir nur eine mongolische Straßenkarte, die wenig nützt, da die Mongolen ihre Straßen und Orten kaum beschildern.
Einmal fuhren wir über eine Holzbrücke, die mir sehr verdächtig vorkam. Ich habe Viktor darauf aufmerksam gemacht, dass die Brücke unstabil wirkte. Auf der Rückfahrt gab es ein Schild das besagte, dass die Brücke nur Fahrzeuge befahren dürfen, die nicht schwerer als 7 Tonnen sind. Die „Tartaruga“ wiegt 8 Tonnen, zuzüglich Viktor und mir. (Warum steht das Schild nicht auf beiden Seiten der Brücke?!) Es ist aber noch mal gut gegangen.
Also der Weg zum See. Asphalt gab es nur 400 km. Danach nur noch Pisten. Nicht eine Piste, ein Netz von Pisten! Die Pisten sind nicht so glatt wie sie aussehen. Sie haben Löcher und spitze Steine. Viktor meinte, unsere Reifen sind zwar für Baustellen bestimmt, und nicht zu vergessen: es sind deutsche Reifen, das heißt sie müssen schon was aushalten können, aber er hätte trotzdem keine Lust einen Platten zu bekommen. Daraufhin meinte ich, die deutschen Reifen sind für deutsche Baustellen gemacht, da erwartet man nichts spitzes Eisernes.
Für die 100 km haben wir sage und schreibe 7 Stunden gebraucht! So fluchend habe ich meinen Mann noch nie erlebt (wir vermissten die guten, schönen, russischen Straßen). Bevor es dunkel wurde hat es angefangen zu regnen. Richtig in Strömen. Es hat die ganze Nacht stark geregnet. Am nächsten Tag, im Regen, sind wir weitere 30 km in 2 Stunden gefahren. Die Piste hat sich in reisende Flüsse oder teilweise in Schlammlawine verwandelt,an manchen Stellen sind Teile der „Straße“ einfach abgebrochen.
Ohne GPS Gerät ist es nicht ratsam, die Mongolei  zu bereisen. Aber die Steppe lebt. Es sind immer Leute unterwegs, es gibt überall Jurten wo Leute leben. Man kann nach dem nächsten Ort fragen und die Leute weisen einem den Weg. Die Mongolen sind sehr freundlich, offen, hilfsbereit. Wir haben sie mehrmals aus dem Schlamm gezogen, einmal haben wir ihre Hilfe gebraucht. Die Stelle sah ganz harmlos aus, zwei Jeeps vor uns haben sie mühelos passiert. Wir mussten natürlich stecken bleiben.
Die „Tartaruga“ ist ein sehr gutes, zuverlässiges Auto. Wir haben Berge mit einer Neigung von 20% problemlos geschafft, sie nimmt Graben, die einen Meter tief sind, ohne Anstrengung, sie überquerte einen Fluss, der ihr bis zum“ Bauchnabel“ reichte, ohne es zu merken, aber Schlamm mag sie nicht. Viktor sagt, dass das  Reifenprofil  nicht für den Schlamm gedacht ist. Ich sage, es ist ein deutsches Auto, es mag einfach keinen Dreck.
Es hat weiter geregnet. Genauso schlimm. Die Jurtenbewohner freuen sich wenn es viel regnet, dann müssen sie nicht so oft neue Weidenplätze suchen, da das Gras direkt nach wächst.  Vor uns lagen noch 1000 km der gleichen Art. Da unsere Zeit begrenzt ist, haben wir beschlossen, umzukehren. Die Reise soll ja Spaß machen!! So Leid es uns tut , mit „Seidenstraße“ hat unsere Strecke jetzt wenig zu tun.

Resümee:

Die Mongolei ist ein wunderschönes Land. Der Blick wandert über die Hügellanschaft, die wie mit grünem Samt überzogen ist (es gibt so viele Grün-Nuancen!!!), über blauen Himmel, weiße Jurten, ganz viel Vieh. Der Geruch von Steppe ist so intensiv, dass es einen benommen macht. Man glaubt, die Zeit sei stehen geblieben. Die Leute sind sehr freundlich. Sie leben ganz einfach (obwohl manche Jurten mit Solar- und Satellitanlagen ausgestattet sind) aber sie sind zufrieden. Man kann sie nicht als arm bezeichnen. Viele tragen ihre nationale Bekleidung. Sie wollen gar nichts von diesem westlichen Trubel. Sie leben in Klans. Einmal haben wir einem 9-Sitz Bus aus der Klemme geholfen, darin waren 15 Personen!!! Opis und Omis, Babys und ein Paar Erwachsene. Alle saßen auf der Wiese, nur die Männer versuchten das Auto zum Laufen zu bringen. Alle waren vergnügt und geduldig. Ich finde, sie haben nicht viel, aber sie haben etwas, was wir nicht haben, nämlich Zeit. Noch etwas, was nach der Mongoleireise für mich anders sein wird, ist die Beziehung zu Wasser. Wasser ist ein so kostbares Gut, wir gehen damit viel zu leichtsinnig um. Irgendwann werden wir die Mongolei noch einmal besuchen. Das haben wir geplant. Aber wie ein russisches Sprichwort lautet: „Willst du Gott zum Lachen bringen, erzähl ihm von deinen Plänen“.
22.07.2012
Viktors Geburtstag haben wir in ganz kleinem Verwandtenkreis gefeiert. Nur die engste Angehörige war anwesend. Die Party verlief in einer ruhigen und angenehmen Atmosphäre. Das Geburtstagkind und der Gast waren gut drauf. Gegen 21 Uhr haben wir es ausklingen lassen.
23.07.-27.07.2012
Die paar Tage kann man einfach aus unserer Reise streichen. Um nach Kasachstan zu gelangen, mussten wir wieder 2000 km durch Russland zurück fahren, und dann die erste Möglichkeit nach Kasachstan nehmen. Da wir nicht mehr in die Städte reingefahren sind, gibt es auch kaum etwas zu berichten. Wir sind an den gleichen Rastplätzen stehen geblieben, haben in den gleichen Dörfern Wasser getankt. Was erstaunlich ist, man erinnerte sich an uns. Die Leute haben uns angesprochen und gaben uns das Gefühl, schon lange bekannt gewesen zu sein. Überhaupt, wenn man reist, entsteht nicht das Gefühl von der ganze Welt abgeschirmt zu sein. Ganz im Gegenteil, man kommt so leicht ins Gespräch und in kürzester Zeit erfährt man Geschichten, die vielleicht nicht einmal die engsten Freunde der Personen kennen. Noch lange danach sprechen Viktor und ich über die Leute und ihre Schicksale. Ich habe mir von ein paar Leuten die Adressen aufgeschrieben und werde ihnen Weihnachtskarten schicken. Ich stelle mir jetzt schon ihre überraschten Gesichter vor 🙂

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