Russland II

26.06.2012
Seit einiger Zeit besitzen wir ein Funkgerät, so wie die meisten LKW Fahrer. Das ist eine tolle Sache. Sie kommunizieren sehr rege darüber. Man kann alles mithören und nach Bedarf mitsprechen. Es wird über alles gewarnt, sei es Radarfallen, Unfälle, Baustellen oder man kann über die „bekloppten“ PKW Fahrer Dampf ablassen. Da wir langsam sind – nicht umsonst heißt unser Auto „Tartaruga“ – helfen wir den anderen per Funkgerät, uns zu überholen. Ein Fahrer hat uns gefragt, ob wir seit dem Zweiten Weltkrieg immer noch hier umherirren.
Heute haben wir Ufa erreicht, Baschkiriens Hauptstadt.

27.06.2012

Heute haben wir uns einen ganzen Tag Zeit genommen. Im Uralgebirge haben wir einen See mit klarem, schönen Wasser gefunden. Die Anfahrt zum See hat meine Nerven aufgerieben. Es war eine richtige Geländefahrt. Viktor war in seinem Element, ich den Tränen nahe. Ich bin ausgestiegen und vor dem Auto hergegangen. Ich hatte das Gefühl, das Auto kippt. Dann hat Viktor festgestellt, dass die Baeume ziemlich nahe bei einander wachsen, sodass das Auto eventuell angekratzt werden könnte. Kurzerhand fuhr Viktor einfach über die Wiese, ohne Einsatz der Straße!! Mir wurde fast schlecht. Endlich haben wir den See erreicht. Und es war schön, kein Mensch weit und breit. Wie auch?

Die Fahrt zurück war genauso schlimm.
                                      
28.06.2012

Es hat den ganzen Tag geregnet. Wir haben ganz wenig Pausen gemacht. Gegen Mittag erreichten wir die Stadt Kurgan und noch vor Einbruch der Dunkelheit die Stadt Ischim, wo wir auch übernachtet haben . Wir haben sehr gehofft das Spiel unserer Jungs anschauen zu können.  Leider war es nicht möglich. Erst am nächsten Tag haben wir erfahren, dass die Deutschen nicht mehr dabei sind. Nach reichlichem Tränenvergießen machten wir uns auf den Weg nach Omsk. Die Fotokamera hat endgültig ihren Geist aufgegeben. Wir sind untröstlich

 

 

 

 

 

 

29.06.201

Wir sind grade auf dem Weg nach Omsk und haben ein LKW Unfall gesehen. Wir sehen jeden Tag Autounfälle. Meistens werden die Unfälle von rasenden PKW- oder schlafenden LKW- Fahrer verursacht. Es ist sehr erschreckend. Grade war ein Tankwagen im Straßengraben zu sehen.
Die Straße nach Omsk ist teilweise grausam. Das Foto ist auf einer Brücke aufgenommen worden. Bitte drauf achten, dass hier Geschwindigkeit Begrenzung besteht, nämlich 70 km/h.  (Wir fuhren 20 km/h.)

Wäre ich besser im Uralgebierge geblieben). Da wir die Nase voll davon hatten, haben wir Rast an einem Café Namens „Nadezhda“ („Hoffnung“) gemacht. Die Zufahrt zum Café war sehr schlammig, aber wir haben gesehen, wie PKW rein und raus fuhren. Da dachten wir: was die können, können wir schon lange. Da sind wir auf den Parkplatz rauf gefahren, haben Schaschlik gegessen und waren im Begriff weiter zu fahren, das ging aber nicht. Wir steckten fest. Alle Differenzial – und Achsensperren nutzten gar nichts. 172 Pferdekräfte haben nicht geschafft, was die Kraft eines Mannes (Viktor) vollbracht hat: die Schildkröte zum Kriechen zu bringen!

 

Die Café Besucher haben alles mit Neugierde beobachtet. Deren Begeisterung stieg noch mehr, als Viktor mit einem enormen Einsatz den Spaten sauber machte und ihn dann in original Plastiktasche einpackte, während ich unsere Gummistiefel einzeln in Müllbeutel und dann alle in ein große blau Müllsack einpackte. Ich habe dem Café Betreiber versprochen, dass er sein Café am nächsten Tag im Internet wieder findet. Also hier ist es.

Ihr bekommt hier nicht nur leckeres Essen, sondern noch Abenteuer und zwar ohne Aufpreis.
Der Tag war noch lang. Es dämmerte. Ein Hauch von Nebel legte sich über die Felder. Der Anblick war sehr schön, unwirklich. Der Nebel schien lebendig zu sein. Er kroch von der Seite ganz langsam, geräuschlos, geheimnisvoll. Bis er sich plötzlich in einer halben Stunde vom zartem Nebel in eine undurchdringliche weiße Wand entwickelte. Man hat nichts mehr gesehen. Es war nicht mehr schön, es vermittelte kein angenehmes Gefühl. Brrrrr…. Sibirien ist aber bekannt dafür. Ich habe so was zum ersten Mal erlebt und möchte es nicht noch mal erleben.

Heute erreichten wir die Stadt Omsk. Eine sehr große, moderne, laute Stadt. Wir haben uns nur kurz umgeguckt und dachten gleich dass es zu viel Trubel ist, das möchten wir nicht. Unsere Straße mit ihren kleinen Dörfer wartet auf uns, also nix wie weiter.
30.06.2012
Wir sind gemütlich gefahren. Haben Halt an einem Salzsee gemacht. Da kommen Leute hin um Rheuma zu heilen. Da haben wir zur Vorbeugung unsere Füße auch mal nass gemacht. Warum nur die Füße? Weil der See so flach ist, dass man ihn zu Fuß überqueren kann.
Die Straße nach Novosibirsk ist so gut, fast wie eine Autobahn, wir haben die Stadt wie im Flug erreicht. Dort haben wir meine Freundin Natascha 🙂 – Verzeihung, Inna  – besucht, und zwei Tage bei ihr verbracht. Wir waren bei ihr auf der Datscha und haben in einem riesigen Stausee des Flusses Ob gebadet.
Am Montag haben wir eine neue Fotokamera gekauft, die natürlich nicht unsere ersetzen kann, und sind dann weiter gefahren.
02.07.2012
Heute Nacht wurden wir zum ersten Mal in unserem Schlaf gestört. Zwei junge Männer haben wahrscheinlich angenommen, dass das Auto ohne Aufsicht da steht. Sie sind ums Auto herum gegangen und haben laut miteinander gesprochen. Einer versuchte unseren Kanister abzumachen, da wurde ich wach und habe Viktor geweckt. Viktor ist aufgesprungen und fragte die Männer, was sie wollen. Sie schlugen mit den Fäusten gegen das Auto und schrien laut, warum wir hier stehen. Als Viktor dann die Tür aufmachte, mit einem Baseballschläger in der Hand, und noch einmal fragte, wo ihr Problem laege, haben sie nach einer Zigarette gefragt. Als wir die Frage verneinten, haben sie das Weite gesucht. Ich habe meine Adrenalindosis für diesen Tag in vollem Umfang gehabt.
03.07.2012
Heute erreichten wir Krasnojarsk. Noch vor Einfahrt in die Stadt merkt man, woher sie ihren Namen hat. Krasno –Rot, Jarsk-Berg. Rote Berge. Die sind tatsächlich rot.
Reisen in Richtung Osten gefällt mir persönlich nicht sonderlich, weil die Zeitverschiebung nach vorne geht, sodass unsere Teatime schon zum zweiten Mal flach fällt. Gerade möchte ich Kaffe und Kuchen vorbereiten, da ist es schon Abendessenzeit.
Die Entfernung zwischen Krasnojarsk und Irkutsk betraegt 1024 km. Es gibt teilweise Strecken, die man mit nur 20 km/h befahren kann. Wir sind schon auf Seite 99 des russischen Straßenatlas‘. Er hat nur 106 Seiten und die letzten 6 wollten wir nicht befahren. Morgen geht es nach Irkutsk und von da aus nur noch 60 km bis zum Bajkalsee.
04.07.2012
Erster  Angelversuch an einem See vor Irkutsk
05.07.2012
Wir sind im Irkutsk. Heute regnete es und deshalb waren wir ziemlich lange Unterwegs. Die „Tartaruga“ ist bei kühlem Wetter in besserer Verfassung. Wir haben uns richtig Sorgen gemacht, dass der einzige Tag den wir in Irkutsk verbringen wollten, regnerisch wird. Aber am frühen Nachmittag hellte sich der Himmel und es wurde sehr schön, sodass wir in der Altstadt einen netten Platz gefunden haben und in der Stadt spazieren gegangen sind.
06.07.2012
Heute war ein herrlicher Tag. Wir sind den ganzen Tag in Irkutsk geblieben. Was uns an der Stadt aufgefallen ist: sie hat ein eigenes Gesicht. Irkutsk wurde nicht mit typischen Sovjet-Plattenbauten verdorben, sondern behielt seine gemütlichen, meist zweistöckigen Holzhäuser. Hier seht Ihr ein paar davon. Und noch etwas fällt auf: China ist nicht mehr weit.
   
Als wir gerade im Begriff waren weiter zu ziehen, hat es angefangen fürchterlich zu regnen, sodass wir gezwungen waren noch eine Nacht in Irkutsk zu verbringen. Hier auch ein Foto davon

Bajkal

Erster Versuch Bajkalufer zu erreichen scheiterte

Der Bajkalsee hat uns einfach fasziniert, obwohl wir nicht die schönsten Plätze gesehen haben. Dafür fehlte einfach die Zeit. Man erzählte uns, dass 365 Flüsse und Bäche in den Bajkalsee münden aber nur ein Fluss, Angara, nimmt hier seinen Anfang. Am Bajkalsee haben wir an drei verschiedenen Stellen zweitägigen Halt gemacht.
Bevor wir gekommen sind, hat es mehrere Tage stark geregnet. Die Flüsse haben Fallholz und ganze Baumstämme mit sich gebracht. Wir beobachteten einen ganz ruhigen Bajkal mit treibendem Holz. (Ich hätte das Holz gesammelt und daraus Pellets gemacht
Der zweite Halt war in einer Menschenleeren Gegend. Da haben wir uns vorgestellt, wie die Leute ohne Strom und Leitungswasser gelebt haben. Wir sind mit Sonnenaufgang aufgestanden und mit Sonnenuntergang schlafen gegangen, haben am offenem Feuer gekocht (Viktor hat Holz gehackt und ich habe im See die Wäsche gewaschen).
Der dritte Halt war an einem wunderschönen kilometerlangen Sandstrand. Der Anblick war wie in der Karibik, nur anstatt Palmen standen da Birken. Da waren auch viele Urlauber. Wir haben eine Familie kennengelernt. Als wir grade mit ihnen zu Abend gegessen haben, wurde es am Ufer unruhig. Die Leute schrien, dass da ein Mädchen ertrinkt. Mehrere Männer standen bis zum Bauchnabel im Wasser, sind aber nicht zu ihr geschwommen. Die drei Männer, die an unserem Tisch saßen (neuer Bekannter, dessen 22 jähriger Sohn und Viktor) sind auch aufgestanden um nachzuschauen, was da los ist. Letzten Endes wurde das Mädchen von Viktor gerettet. Da wurde am Ufer gejubelt. Das Wasser ist wirklich kalt, Ertrinkende geraten in Panik, sodass auch der Rettende sich in Gefahr bringt. Da Viktor in jungen Jahren Wasserball gespielt hat, habe ich keine Sorge um ihn gehabt. So hat auch diese Geschichte ein gutes Ende genommen.
Nach dem Bajkalsee sind wir in die Hauptstadt der Burjatien, Ulan-Ude gefahren. Haben da einen halben Tag verbracht. An der Stadtgrenze besuchten wir ein buddhistisches Kloster. Das ist schon was anderes als ein christliches Gotteshaus.
12.07.2012
Wir sind in Kjahta angekommen (Grenzübergang zur Mongolei) und waren sehr überrascht, dass die Grenze zu war. Die Zollbeamten arbeiten von 9:00 bis 20:00 Uhr. Da haben wir ein junges Pärchen kennengelernt. Sie kommen aus Cheljabinsk, sind mit einem Motorrad unterwegs, haben ihr ganzes Hab und Gut mit. Zum Schlafen haben sie sich ein winziges Zelt aufgeschlagen. Da wurde uns noch mal bewusst, mit welchem Komfort wir reisen.

                                                                                                                                                                                                                                                                                   Weiter